OSTERMARSCH RHEIN-NECKAR 2019

Viele Menschen gehen für Abrüstung und Frieden auf die Straße

So wie in vielen anderen Städten haben auch das Friedensplenum Mannheim und das Friedensbündnis Heidelberg am 20. April 2019 einen Ostermarsch in Mannheim durchgeführt. Dieser wurde tatkräftig auch von der Gruppe Mannheim-Ludwigshafen der DFG-VK geplant und organisiert. Nach der Auftaktkundgebung vor dem Hauptbahnhof zogen die rund 800 TeilnehmerInnen am Wasserturm vorbei. Am Beginn der Planken gab es eine Zwischenstopp und zwei Reden, danach ging es weiter bis zum Paradeplatz.

Ilkem Sakar von Promigra e.V. wies darauf hin, dass das Erdogan-Regime in der Türkei nicht nur die Pressefreiheit unterdrücke, sondern auch massiv gegen Streikende vorgehe. Aber viele wehrten sich dagegen, die sich in Stimmenrückgang für Erdogans-Partei AKP  bei den Kommunalwahlen niederschlugen . Sie bemängelte, dass die deutsche Bundesregierung von der Erdogan-Regierung die Einhaltung von Menschenrechten kaum einfordere und Waffen an die Türkei liefere.

Dort hielt der ehemalige Fernseh-Journalist Franz Alt eine engagierte Rede und drei Schauspielerinnen vom Stadtensemble des Nationaltheaters Mannheim setzten sich mit literarischen Mitteln für den Frieden ein. Transparent Fluchtursachen beseitigen - Kriege beenden Ostermarsch 2019 MannheimGustav Schneider erinnerte an den Jugoslawienkrieg, der vor zwanzig Jahren mit maßgeblicher Unterstützung der damaligen rot-grünen Bundesregierung begonnen wurde und die Beziehungen zu Russland stark belastete.

Mehrere Redner und Rednerinnen sprachen sich für atomare Abrüstung und die Beibehaltung des INF-Vertrages aus. Den Export von Waffen lehnten sie genauso ab wie den schwachsinnigen und einstimmigen Beschluss der NATO, dass jedes Land mindestens zwei Prozent seines Sozialprodukts für das Militär ausgeben soll. Franz Alt wies darauf hin, dass sich USA und die Sowjetunion mit dem INF-Vertrag auf die Verschrottung von Atomsprengköpfen und Mittelstreckenraketen geeinigt hatten und dieser Abrüstungsvertrag erhalten werden müsse.

Frieden ist keine Selbstverständlichkeit - wir müssen uns dafür einsetzen

Philipp von der DFG-VK redet beim Ostermarsch 2019Mit Philipp Medert hielt ein Mitglied unserer DFG-VK-Gruppe die Auftaktrede. Er würde heute mit Sicherheit den Kriegsdienst verweigern, wenn die Wehrpflicht nicht ausgesetzt (aber nicht abgeschafft) worden wäre. Als Kinder der 90er-Jahre kennt er die unsägliche Gewissensprüfung nicht, die man durchstehen musste um das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung in Anspruch zu nehmen und als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden.

Philipp kritisierte die aggressiver Außenpolitik der USA und deren Aufrüstung. Er sagte, dass die Coleman-Kaserne in Mannheim-Sandhofen eine wichtige Rolle spiele. Dort werden 250 Panzer und anderes Kriegsgeräte gewartet und gelagert, um es rollierend immer wieder in die östlichen Nato-Länder und an die Grenzen zu Russland zu transportieren. Dort wird es für Manöver und andere Machtdemonstrationen benötigt.

FriedenJournalist Fritz Alt mit Transparent beim Ostermarsch 2019 in Mannheim sei keine Selbstverständlichkeit sagte Philipp und rief dazu auf, sich dafür einzusetzen. Auch wenn das Freizeit koste und man dafür kein Geld bekomme, sei es wichtig, sich für die richtigen Werte einzusetzen wie etwa Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Er plädierte dafür, Leid zu verhindern und Waffenexporte gar nicht erst zu genehmigen insbesondere nicht durch den geheim tagenden Bundessicherheitsrat.

Er forderte dazu auf friedlich und bewusst zu denken und zu handeln und sich klar zu machen, was man konsumiert und bei welcher Bank man sein Konto hat.

Deutliche Worte des früheren Fernseh-Journalisten Franz Alt

Wer den Frieden will, muss sich auf den Frieden vorbereiten, war eine der Kernaussagen von Franz Alt. Als Hauptredner beim Ostermarsch sprach sich der bekannte Fernseh-Journalist für ein Denken in Zusammenhängen aus. Es sein wichtig zu verstehen, wie die so genannte Flüchtlingskrise, die Umweltkrise und durch deutsche Waffenlieferungen befeuerte Kriege sowie Konflikte miteinander zusammen hängen würden.

Dass 2015 eine Million Kriegsflüchtlinge zu uns gekommen seien, hänge mit den Rüstungsexporten zusammen. Alt sagte, dass auch 2019 Deutschland und Baden-Württemberg „Kriegsland“ seien und verwies auf die vielen Rüstungsfirmen am Bodensee und auf Heckler & Koch. Mithilfe von Waffen aus Deutschland seien inzwischen zwei Millionen Menschen getötet worden. Rüstungsexporte bezeichnete er als „Beihilfe zum Massenmord“.

Der Klimawandel veranlasse immer mehr Menschen ihre Heimat zu verlassen. Für Afrika gehe man inzwischen von 18 Millionen Klimaflüchtlingen aus. Alt kritisierte, dass die EU die Flüchtling im Mittelmeer ertrinken ließ und dass diejenigen bestraft würden, die unter großem Einsatz und Gefahren mit Rettungsschiffen versuchten, Menschen zu retten und zu helfen.Franz Alt spricht beim Ostermarsch Rhein-Neckar 2019 in Mannheim

Alt erfüllt es mit großer Hoffnung, dass junge Menschen Freitag für Freitag für Klimaschutz engagierten und sprach sich für Zusammenarbeit zwischen Friedens- und Umweltbewegung aus. Er forderte dazu auf, an den Wahlen zum Europäischen Parlament teilzunehmen und durch das Wählen dazu beizutragen, dass die EU ein wirkliches Friedensprojekt darstelle. Dabei sei es wichtig, zu einem vereinten Europa auch Russland gehöre.

Rüstungsausgaben reduzieren statt zu erhöhen

Die USA würden zehnmal mehr für Rüstung ausgeben als Russland. Auch wenn Putin kein Friedensengel sei, müsse Schluss sein mit den Nato-Provokationen direkt an der russischen Grenze. Frieden könne es nur mit und nicht gegen Russland geben.  Alt lobte den INF-Vertrag, durch den sich die USA und die Sowjetunion auf die Verschrottung von Atomsprengköpfen und Mittelstreckenraketen verständig haben und der durch das Entgegenkommen von Michail Gorbatschow ermöglicht wurde.
In seinen Interviews mit Gorbatschow habe dieser betont, wie sehr in die Friedensbewegung in Deutschland ermutigt habe, sich auf Abrüstungsmaßnahmen einzulassen. Ein wirklicher Friede könne nach Ansicht von Gorbatschow nicht durch Rüstung erreicht werden, sondern nur durch eine demilitarisierte Politik und Beziehungen.

Medienecho

Ostermärsche in Baden-Württemberg - Tausend für den Frieden, SWR aktuell Fernsehen, 20.04.2019

Vorschlag an Trump - Beim Ostermarsch in Mannheim hat Hauptredner Franz Alt eine Idee in Sachen US-Militäretat, Rheinpfalz (Ludwigshafen), 23.04.2019

Der Mannheimer Morgen veröffentlichte folgende Artikel.

Ostermarsche: Aktion gegen Rüstung und Krieg. Demo startet am Hauptbahnhof, MM 17.04.2019 einen Artikel zur Ankündigung und den

Ostermärsche: Aktionen in 100 Städten / Tausende Menschen auf der Straße. Demonstrationen für Frieden, MM 23.04.2019

Reden nachhören und nachlesen

Die Reden beim Ostermarsch können im Audioportal der freien Radios gehört werden: https://www.freie-radios.net/94926
Die Rede von Philipp Medert steht bei "Rede der DFG-VK"
Philipps Rede kann auch nachgelesen werden im Internetportal des Netzwerks Friedenskooperative; dort findest du viele weiter Ostermarsch-Reden.

Hörtipp: In der Sendung "Funkfeuer Mannheim" im Freien Radio bermuda.funk geht es ebenfalls um die Rede beim Ostermarsch Rhein-Neckar 2019. bermuda.funk kann man terrestrisch hören, wegen des schwachen Senders aber nur sehr eingeschränkt. Daher sollte man die Sendungen über das Internet anhören.

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