"Frieden geht!" in Mannheim

Tolle Atmosphäre beim Empfang des Staffellaufs gegen Rüstungsexporte

Während die Getränk- und Essenstände aufgebaut wurden, türmten sich am Himmel die Wolken auf und ließen Schlimmes erwarten. Dazu passte die Warnung des Polizei-Einsatzleiters vor einem möglichen Sturm. Doch als der Moderator Einhart Klucke die Kundgebung eröffnete, war die die Wolkendecke aufgerissen und Sonnenschein erhellte den Alten Messplatz. Im Namen der Veranstalter Friedensplenum Mannheim und DFG-VK Mannheim-Ludwigshafen begrüßt Otto Reger die Anwesenden zur Kundgebung aus Anlass des vierten Staffellauftages am 24. Mai 2018. Er sagte, dass das Engagement gegen Rüstungsexporte schon lange ein Schwerpunkt der Arbeit beider Organisationen bilde und man sich gerne für die Unterstützung von „Frieden geht!“ entschieden habe.

Gelungene musikalische Umrahmung

Man wollte nicht nur eine Kundgebung, sondern den Etappentag auch mit einer kleinen Fete beschließen. Dabei durfte Musik nicht fehlen und mit der Sängerin und Gitarristin Gizem Gözuacik*) sowie mit Markus Sprengler*) konnten zwei auch über Mannheim hinaus bekannte Künstler gewonnen werden. Beide haben ihr musikalisches Können schon öfters bei Aktionen zu Krieg und Frieden eingebracht. Gizem engagiert sich in der Organisation DIDF und ist beispielsweise in Mannheim bei den Demonstrationen gegen den Einmarsch des türkischen Militärs in das kurdische Nordsyrien aufgetreten. Markus, der Bezirksbeirat für die Grünen ist, hat Mahnwachen und Kundgebungen für ein Ende des Krieges in Syrien unterstützt.

Einlauf der Staffellauf-LäuferInnenVor dem Einlauf der LäuferInnen berichtete Helmut Lohrer*), dass der Staffellauf durch viele TeilnehmerInnen an den ersten drei Staffellauftagen bereits viel Unterstützung erfahren habe. Helmut engagniert sich im Organisationsteam, dem logistischen Rückgrat des Staffellaufs, und ist im Vorstand der Internationalen ÄrztInnen zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW). Die IPPNW ist Mit-Veranstalter des Staffellaufs und setzt sich auch für nukleare Abrüstung und den Atomwaffenverbotsvertrag ein.

Unterstützung durch Stadt Mannheim und die IG Metall

Als die rund 20 LäuferInnen auf dem Alten Messplatz einlaufen werden sie mit viel Jubel und großem Applaus empfangen. Aus ihren Gesichtern strahlt Freunde die auch durch Hitze und Schweiss nicht getrübt werden kann. Und sie haben allen Grund dazu, schließlich ist es eine tolle Leistung mehr als elf Kilometer zu Laufen und sich dabei für eine gute Sache - das Rüstungsexportverbot - einzusetzen.

Bürgermeisterin Freundlieb bei der StaffellaufkundgebungGenau das würdigte die Mannheimer Bürgermeisterin Ulrike Freundlieb*), die die LäuferInnen im Namen der der Stadt herzlich willkommen heißt. Sie kritisiert, dass die deutschen Rüstungsexporte nicht akzeptabel seien und dass sie beendet werden müssten. Gleichzeitig rief sie in Erinnerung, dass der Staffellauf auch von der Stadtspitze, also von OB Peter Kurz und von der Bürgermeisterin Kubala unterstützt werde.

Die IG Metall ist die Gewerkschaft in deren Zuständigkeit auch die meisten Rüstungsunternehmen fallen. Daher waren viele auf die Rede des obersten Mannheimer IG Metall-Vertreters, Klaus Stein*), gespannt. Er dankte den Organisatoren des Staffellaufs und würdigte deren ungewöhnlichen unentgeltlichen und uneigennützigen Einsatz. Er wünschte ihnen auch die erforderliche Kraft ihr Ziel auch dort mutig zu vertreten, wo offen rechtes Gedankengut geäußert und Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht würden. Mit Blick auf die Diskussionen in der IG Metall zu Krieg und Frieden drückte er seine Freude darüber aus, dass insbesondere nach dem letzten Gewerkschaftstag die Positionen der IG Metall klar seien: Rüstungskonversion ja, keine Produktion von Rüstungsgütern und Raushalten aus kriegerischen Konflikten.

Staffellaufläufer mit KinderwagenDie Forderung nach einem Rüstungsexportverbot stößt bei vielen Menschen auf Zustimmung und wird von vielen Organisationen aktiv angestrebt. Das geht aus der großen Zahl der Veranstalter und Unterstützerorganisationen des Staffellaufs hervor. Die Einladung vom Friedensplenum, sich mit einem Informationsstand an der Staffellauf-Kundgebung zu beteiligen stieß auf positives Echo, denn nicht weniger als elf Informationsstände waren vertreten: die Anarchistische Gruppe, amnesty international, attac, DIDF, IG Metall, Grüne, Die Linke, Mannheim sagt Ja!, VVN, Weltladen und13 Hektar Freiheit.

Engagement aus kirchlichen Kreisen

Auch Kreise der Kirchen und christliche Friedensorganisationen setzten sich engagiert für das Verbot von Rüstungsexporten ein. Man denke nur an die kritischen Rüstungsexportberichte der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE), die die Waffenexporte der Bundesregierung seit Jahren analysiert und deutlich kritisiert und Alternativen fordert, beispielsweise ein Rüstungsexportkontrollgesetz. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, ACK, ist Mitveranstalter des Staffellaufs und ihr Vorsitzender, Joachim Vette, hat Frieden geht! wörtlich genommen und lief von Ladenburg bis Mannheim mit. Das hielt ihn nicht davon ab, eine kleine Rede in Form eines Abendsegens zu halten. Er bekam dabei Unterstützung durch einen Geistlichen der griechisch-orthodoxen Kirche.

Otto Reger erinnerte daran, dass man Abgeordnete aus Mannheim und Umgebung aus Bundestag, Landtag und Gemeinderat auf den Staffellauf aufmerksam gemacht und um Unterstützung gebeten habe. Erfreulicherweise kamen dieser Bitte die Bundestagsabgeordneten Gökay Akbulut, Lothar Binding, Lars Castellucci und Gerhard Schick nach ebenso wie Landtagsabgeordnete und Stadträte, deren Namen auf der Internetseite der DFG-VK MA-LU veröffentlicht wurden.

Bundestagsabgeordneten der CDU in die Pflicht nehmen

Es waren auch der Bundestagsabgeordnete der CDU Nikolas Löbel und die CDU-Stadträte aus Mannheim angesprochen worden, von denen allerdings keine Antwort gekommen sei. Reger erklärte, dass man es für wichtig halte nicht nur der Bundesregierung, sondern auch Nikolas Löbel deutlich zu machen, dass ein Rüstungsexportstopp für viele Menschen ein wichtiges Anliegen sei. Deshalb habe man einen Brief mit Fragen zu Rüstungsexporten an Nikolas Löbel verfasst und ausgedruckt. Erfreulicherweise haben mehrere Leute das Angebot genutzt und den Brief an den CDU-MdB geschickt.

Beid der Kundgebung wurden auch Protestpostkarten an den obersten Boss von Rheinmetall, Armin Papperger, verteilt. Darin wird er aufgefordert, den Export von Munition aller Rheinmetall-Unternehmen zu stoppen. Viele nutzen die Postkarte als eine zusätzliche Form des Einsatzes für den Rüstungsexportstopp.

Martina Jäger, DFG-VK-Mitglied aus Würzburg hatte eine pfiffige Idee, das Motto des Staffellaufs optisch und kreativ ins Bild zu rücken. Sie schrieb mit poppig bunten Buchstaben Frieden geht auf ein großes Bettlaken. Im unteren Abschnitt des Lakens war noch Platz, um darauf mit einem Stift den Umriss eines Schuhs zu zeichnen. Und im Schuhabdruck konnte man seinen Namen schreiben.

Tanzen als freudiger Ausdruck über eine gelungene Aktion

Für eine Kundgebung ungewöhnlich endete diese mit einem Bachata-Salsa-Schnupper-Tanzkurs. Angeboten wurde er von dem auch politisch engagierten Tanzlehrer Pancho, der nach dem CIA geführten Militärputsch gegen den damaligen Präsidenten Allende aus Chile flüchten musste.

Die Kundgebung und Abschlussfete war eine gelungene Aktion, um der Bundesregierung zu verdeutlichen das viele Menschen ein  Rüstungsexportstopp nachdrücklich unterstützen.

Der fünfte Etappentag begann ebenfalls in Mannheim mit einem öffentlichen Frühstück wiederum auf dem Alten Messplatz. Nachdem Max Weber vom Orga-Team das Startsignal gegeben hatte machten sich zwei Läufer auf die Halbmarathonstrecke nach Lorsch. Sie wurden mit großem Applaus und guten Wünschen verabschiedet und begleitet von einer Gruppe von Fahrradfahrern, die ihre Räder mit Frieden-geht-Fahnen geschmückten hatten.

*) Der Bermudafunk hat dankenswerterweise einige Reden und Lieder aufgenommen, die im Archiv der Freien Radios nachgehört werden können.

Brief an MdB Nikolas Löbel, CDU, zum Ausdrucken und Abschicken

Medienecho

In Mannheim ein Zeichen für den Frieden setzen Rhein-Neckar-Zeitung, 26.05.18
Waffen Staffellauf gegen Rüstungsexporte. Sportler protestieren, Mannheimer Morgen, 28.05.18
Frieden in Bewegung. Mit 1162 Kilometern Staffellauf gegen den exportierten Tod aus Deutschland, Neues Deutschland, 29.05.18

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