Motivierender Ostermarsch 2021 Mannheim

Radler*innen und Demonstrant*innen setzen sich öffentlich ein für Abrüsten, für Frieden, das Klima und die Menschen

Bereits im zweiten Jahr zwingt uns das Coronavirus zu Vorsichtsmaßnahmen und verantwortungsvollem Verhalten im tagtäglichen Leben. Natürlich gilt das auch dann, wenn grundlegende Menschenrechte wie das Versammlungs- und Demonstrationsrecht wahrgenommen werden. Daher wurden das Masken- und Abstandsgebot und die Beschränkung auf maximal 200 Personen eingehalten.

Ostermarsch-Radler*innen starten von Kasernenkonversionsfläche
Bei allen Ostermärschen, die in Mannheim, Heidelberg und weiteren Städten bundesweit stattfanden, stand ein gemeinsames Ziel im Vordergrund: Deutlich machen, dass es neben dem Virus auch andere tödliche Gefahren gibt und zwar in Form von Rüstungsproduktion und -exporten und dem Einsatz von Soldat*innen.Ostermarsch-Teilnehmer*innen Diese Rüstungspandemie gilt es, durch einen politischen Kurswechsel hin zu Deeskalation und Abrüstung zu bekämpfen. Dieses Ziel ist vielen Menschen wichtig, auch wenn es in der öffentlichen Berichterstattung und den Debatten an den Rand gedrängt ist. Daher ließen es sich über 100 Radler*innen nicht nehmen, mit fahnengeschmückten Rädern demonstrativ von der ehemaligen Turley-Kaserne zum Alten Meßplatz zu radeln. Bevor Günther Bergmann vom alternativen Wohnprojekt umBAU² Turley das Startsignal gab, wurde die Rede von Thomas Trüper verlesen (von Otto Reger), der krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte. Trüper war bis vor kurzem Gemeinderat (für die Linken) in Mannheim und in der Friedensbewegung engagiert. Er erinnerte daran, dass das Turley-Gelände dem Deutschen Reich als Kaiser-Wilhelm-Kaserne und den Nazis als Militäreinrichtung diente und anschließend von „den Befreiern vom Nationalsozialismus, der US-Army für ihre Öl-Kriege“ genutzt wurde. Wegen der Nutzung für Wohnen und Gewerbe sei das Gelände heute ein Symbol für Entmilitarisierung und friedliches Zusammenleben.

Die Radler*innen trafen sich am Alten Meßplatz mit vielen weiteren Personen zur Zwischenkundgebung, wo es Reden (siehe unten) und  Grußworte sowie Lieder von „Lebenslaute“ gab.

„Märsche wie dieser sind wichtig und wirkungsvoll“
Diese eindeutige Aussage machte Mannheims OB Peter Kurz in seinem Grußwort, der es bedauerte am Ostermarsch wegen anderer Verpflichtungen nicht teilnehmen zu können. Er schrieb, dass „die lokale Ebene bei der politischen Debatte über die atomare Abrüstung eine treibende Kraft“ sei. Das gelte auch für Mannheim aufgrund seiner Mitgliedschaft bei den Bürgermeistern für den Frieden (Mayors for Peace) und der Annahme des ICAN-Städteappells durch den Gemeinderat, mit dem die Bundesregierung aufgefordert wird, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten.

Die Abgeordneten Gökay Akbulut (Linke) erklärte in ihrem Grußwort, dass sie sich im Bundestag für die Ziele des Ostermarschs einsetze. Ostermarsch im Schloss-Ehrenhof MA Kerim Kurt vom kurdischen Gemeinschaftszentrum MA/LU wies ebenfalls per Grußwort auf die zunehmenden türkischen Angriffe auf Kurd*innen hin. Er kritisierte die Verfolgung der kurdischen Partei HDP und ihrer Anhänger durch das Erdogan-Regime und das drohende Verbot der HDP.

Lockdown für Manöver, Kriege und Rüstung – Abstand nehmen von Waffen und Militär
Anknüpfende an die Pandemie-Begriffe kann man sagen, dass die übereinstimmende Aussage in den Reden die Forderung nach einem Lockdown für Manöver, Kriege und Rüstung und einem Abstandsgebot war. Politiker*innen und Militärs müssen Abstand nehmen von dem Glauben, dass sie Konflikte durch Waffen- und Militäreinsätze „lösen“ könnten. Stattdessen wurde gefordert, dass die Bundesregierung dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag beitreten und Waffenexporte stoppen müsse. Statt zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) für Rüstung auszugeben, müsse der Rüstungsetat gesenkt werden, um das Geld für Soziales, Gesundheitswesen, Bildungswesen und den Klimaschutz zu investieren. Für die Konfliktbearbeitung sollten mehr Friedensfachkräfte ausgebildet werden, statt Menschenleben durch die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu opfern.

Großes Interesse an Publikationen, Postkarten und Fahnen
Beim Ostermarsch leistete ein Lastenfahrrad wertvolle Dienste, einerseits als Transportmittel und andererseits zum Auslegen von Zeitungen und Aktionspostkarten. Diese nahmen viele, weil sie eine weitere Möglichkeit sind, persönlich aktiv zu werden.

Die Postkarte an Außenminister Heiko Maas kritisiert die Rüstungsexporte an menschenrechtsverletzende Staaten und an Länder, die an Kriegen beteiligt sind – z. B. im Jemen, in Libyen oder Nordsyrien. Maas wird aufgefordert solche Exporte zu stoppen und sich für ein strenges Rüstungsexportkontrollgesetz einsetzen.

Seine Stimme einsetzen – nicht erst und nur bei der (Bundestags)Wahl
In einer weitere (zweiteiligen) Postkarte können die Absender*innen zum Ausdruck bringen, dass sie bei der Bundestagswahl nur eine Partei wählen, die sich für ein atomwaffenfreies Deutschland einsetzt, d. h. für die Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrags, den Abzug der US-Atombomben aus Deutschland und gegen den Kauf von Atomwaffen-Trägerflugzeugen. Die Karte kann man wahlweise an CDU, FDP, Grüne, Linke oder SPD schicken deren jeweilige Adressen im anhängenden Informationsabschnitt stehen. Die Postkarte ist eine Aktion von „Ohne Rüstung Leben“ (ORL) in Kooperation mit ICAN, IPPNW, Büchel ist überall! Atomwaffenfrei.jetzt und Netzwerk Friedenskooperative. Weitere Postkarten können Interessierte bei ORL kostenfrei bestellen.

Bei der Abschlusskundgebung sprachen weitere Redner*innen und das Musik-Duo Rüdiger Bischoff und Sohn sorgte mit eingängigen Songs für gute Stimmung. Viele nutzten die Gelegenheit, um am Infostand Aufkleber, Schilder und Publikationen mitzunehmen oder Friedensfahnen zu erwerben. Vielleicht wird man sie künftig an Balkonen, Fenstern und Türen oder Rädern wiederentdecken.

Dokumentation der Reden

Audios der Reden
Reinhard Gebhardt, der eine regelmäßige Sendung im Freien Radio bermudafunk macht, hat die Lieder und Reden, die vor Turley und am Alten Meßplatz  gehalten wurden aufgenommen und im Audioportal der Freien Radions  veröffentlicht. Von den Reden im Schloss-Innenhof gibt es keine Audios allerdings ein Video mit der Rede von Ulrich Peckolt.

Redetexte
Thomas Trüper, Ex-Gemeinderat Mannheim
Peter Kurz, Oberbürgermeister Grußwort
Maximilian Heßlein, Wirtschafts und Sozialpfarrer, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Evangelische Landeskirche Baden
Mikan Dogan, DIDF Föderation Demokratischer Arbeitervereine
Mareike Zelt, VVN Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Elena Neumann, Fridays for Future
Sibylle Brosius, NatWiss Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit
Ulrich Peckolt, IPPNW International Physicians for the Prevention of Nuclear War Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V
Reiner Braun, IALANA International Association of Lawyers against Nuclear Arms (Rechtsanwälte für die vollständige Beseitigung von Nuklearwaffen)

Video
Ulrich Schäfer hat ein Video erstellt, das die Demo beim Eintreffen am Schloss und Ulrich Peckolts Rede zeigt. Zum Video auf Youtube

Medienecho

Ostermarsch auch in Heidelberg und anderen Orten

  • Das Friedensbündnis Heidelberg hat in einem breiten Bündnis ebenfalls einen motivierenden Ostermarsch veranstaltet. Reden, Fotos und das Medienecho findet man auf der Internetseite des Friedensbündnisses https://www.friedensbuendnis-heidelberg.de/
  • Ostermarsch 2021: Positive Bilanz trotz schwieriger Umstände, Pressemitteilung des Netzwerk Friedenskooperative vom 5.4.2021
    Auf der Website der Friedenskooperative erfährt man, an welche anderen Orten Ostermärsche durchgeführt wurden und die Vielzahl der gehaltenen Reden.

Veranstalter

Den Ostermarsch Mannheim hat das Ostermarsch-Bündnis Mannheim geplant und durchgeführt. Es steht aus folgende Personen und Organisationen: Hedi, Wolfgang und Otto für DFG-VK MA-LU, Monika (Greenpeace-Mitglied), Nalan für DIDF, Klaus und Mareike für VVN-BdA, Ulrich für die IPPNW Mannheim, Sibylle für NatWiss Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit, Roland Schuster für Die Linke Mannheim, Günther vom Wohnprojekt umBAU Turley², Maximilian (KDA), Andreas Hauk (DGB-Jugensekretär), Chris vom Wohnprojekt SWK. (Anmerkung: Beide Wohnprojekte gehören zum Verbund des Mietshäuser Syndikats und sind eine solidarische Alternative zum renditegetriebenen Wohnungsmarkt. Sie können durch private Direktkredite unterstützt werden.)

Impressionen vom Ostermarsch 2021 Mannheim

Die folgenden Fotos von den Aktionen können durch Anklicken vergrößert werden. Die Fotos zeigen auch wie Schilder und Aktionspostkarten auch nach dem Ostermarsch genutzt werden können.

Rückschau

Den Flyer mit Ostermarsch-Aufruf und den Forderungen gibt es auf der Seite mit der Ostermarschankündigung.

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