„Kein Tag der Bundeswehr"

Friedensaktivisten spucken der Bundeswehr in die Propaganda-Suppe

Ein Bündnis von verschiedenen Organisationen hat am 9. Juni auch in Mannheim dafür gesorgt, dass die Bundeswehr an ihrem Standort im Stadtteil Neuostheim ihr Friede-Freude-Eierkuchen-Tarnmanöver nicht ohne Gegen-Information durchziehen konnte. Dazu gab es Aktionen an drei verschiedenen Orten.

Aktionen am Bahnhof, vor dem Bundeswehrgelände und auf dem Parkplatz

Protestaktion in Mannheim gegen Am Hauptbahnhof fand eine Kundgebung statt, bei der den mit dem Zug angereisten deutlich gemacht wurde, weshalb man die Jubelaktion der Bundeswehr nicht einfach so hinnehmen wollte. Stadtrat Thomas Trüper (Linke) macht in seiner Rede für das Friedensplenum deutlich, dass die Bundeswehr den Propagandatag auch deswegen durchführt, weil sie neben vielen Problemen vor allen diese beiden hat. „Die Unterstützung in der Bevölkerung für diese Truppe ist nicht besonders hoch, schon gar nicht für die Kriege, an denen sie sich beteiligt.“ Zusätzlich kämpfe die Bundeswehr mit dem Problem fehlenden Personals. Trüper kritisierte, dass die Bundeswehr dabei besonders auf junge Menschen ziele und dabei gegen die UN-Kinderschutz-Konvention verstoße. Er wies auf ein bezeichnendes Foto hin, mit dem die Bundeswehr auf ihrer Internetseite für den Propagandatag warb. Es zeigt einen Soldaten der Luftwaffe mit einem etwa 3-jährigen Jungen an der Hand, der ebenfalls in einem kleinen Kampfanzug steckt. Man fühlt sich an Fotos aus der Zeit erinnert, als Deutschland noch einen Kaiser hatte und eine Form des Militarismus darin bestand kleine Buben im Matrosenanzug zu fotografieren.

Transparent Krieg beginnt hierDer sogenannte Bildungscampus der Bundeswehr in Mannheim-Neuostheim war anders als sonst üblich mit zahlreichen Waffensystemen vollgestellt, darunter auch ein Leopard-Panzer. Und es ein gab auch ein Feldlager, das den soldatischen Alltag verdeutlichen oder besser gesagt verniedlichen sollte. Das kommt in einem Artikel der Rhein-Neckar-Zeitung zum Ausdruck, die kritisiert, dass die Darstellung der Bundeswehr mit Lagerfeuerromantik wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat. Ein Foto zeigt außerdem wie Kinder auf einem Leopard-Panzer herumklettern dürfen. Im Artikel wird auch auf den Protest des Friedensplenums und dessen Gegeninformationen eingegangen.

Denkanstöße

Gegenüber vom Haupteingang des Militärspektakels hatten Friedensplenum und DFG-VK MA-LU und weitere Organisationen Infostände aufgebaut und mit Transparenten und Friedensfahnen deutlich gemacht, dass es Alternativen zum Militär gibt. Das sollte für die Anlass zum Nachdenken sein, die nicht unbedingt eingefleischte Bundeswehrversteher sind. Sehr pfiffig waren Flyer in Postkartengröße, die im Stil der Bundeswehrwerbekarte gemacht waren und mittels Fragen den Finger in die Wunde legten: Was hat der Afghanistaneinsatz gebracht? Was kostet die Bundeswehr? Warum braucht so ein toller Haufen wie die Bundeswehr eigentlich Werbung? Die Aussagen und Zahlen auf der Rückseite sind geeignet, manche zum Nachdenken anzuregen.

Radler mit FahneViel(e) erreicht

Die Frageflyer wurden auch an die verteilt, die mit dem Auto auf den Maimarktparkplatz fuhren um sich mit dem Shuttle-Bus auf das Gelände bringen zu lassen. Zusätzlich wurden die Flyer auch vor den Shuttle-Bussen verteilt, um jene zu erreichen, die vom anderen Parkplatz gekommen waren.

Es gab auch im Bundeswehrgelände eine Aktion mit einem Banner. Es war im Stil der Bundeswehrwerbe-Kampagne „Mach was wirklich zählt.“ gemacht und verfremdete den ursprünglichen Slogan „Grünzeug ist gut für deine Karriere.“ Stattdessen stand gut sichtbar auf dem Transparent der Satz "Grünzeug ist auch tödlich für deine Karriere"  ergänzt durch „Mach was wirklich killt.de“

Banneraktion gegen Tag der Bundeswehr in MAWo spielt die Musik (wofür)?

Musik kann durchaus eine Waffe sein. Auch wenn sie nicht tödlich ist, gehört sie schon lange zu den weichen Instrumenten um Kriegs- und Kampfbereitschaft zu verstärken und zu fördern. Man denke an Weihnachtskonzerte nicht nur in Kirchen und zur Weihnachtszeit, sondern auch an Feste, wo die MusikerInnen in Uniformen nicht nur Märsche zum besten geben, sondern auch Popmusik. Es ist sehr bedauerlich, dass es der Bundeswehr gelungen ist, die Popakademie auf das Militärgelände zu locken und vor ihren Karren zu spannen. Vielleicht ist das auch ein Ergebnis der zivil-militärischen Zusammenarbeit, die im Bildungszentrum der Bundeswehr mit intensiver Vernetzungsarbeit forciert wird und bei Mannheims Ersten Bürgermeister Specht große Unterstützung findet.

Es wäre sicherlich ein erstrebenswertes Ziel, dass die Popakademie und deren Studierende sich künftig solchen Auftritten verweigern. Schließlich haben MusikerInnen ganz wesentlich dazu beigetragen, der Militarisierung der Gesellschaft und der Kriegsvorbereitung und -führung entgegen zu treten.

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