Turley-Kaserne: Unser Einsatz hat sich gelohnt!

Einst Militärareal – heute Standort beispielhafter Wohnprojekte

Einst waren die großen Militär-Lkws des 181. Transportbataillons der US Army mitten in einem Wohngebiet in der Neckarstadt-West in der Turley-Kaserne stationiert. Für die US-Armee  war Mannheim das militärische Drehkreuz für ihre Einsätze im Balkan und in Afghanistan und Nahost. Bis auf die Coleman-Kaserne hat die US Army ihre Kasernen und das Franklin-Wohngebiet geräumt und damit den Weg für eine zivile Nutzung der Flächen und Gebäude ermöglicht.

Turley-Kaserne vor der KonversionMilitärische Nutzung schon im deutschen Kaiserreich

Die Turley-Kaserne wurde bereits im deutschen Kaiserreich als Kaiser-Wilhelm-Kaserne 1899-1901 errichtet und für die imperialistischen Ziele der damaligen Herrscher und von den Nazis für ihre Raub- und Vernichtungskriege genutzt.

Nach der Befreiung auch Mannheims nutzten die USA diese sowie andere bereits bestehende Kasernen für ihre Zwecke über Jahrzehnte. Somit wurde Mannheim ein wichtiges logistisches Drehkreuz für Einsätze der US-Armee auf dem Balkan sowie in Afghanistan und im Irak.

Nachdem die US-Regierung entschieden hatte ihr Kriegsgerät und die SoldatInnen auf andere Standorte in Deutschland und in die USA zu verlegen, wurden sehr große Flächen sowie Anlagen und Gebäude in Mannheim für die zivile Nutzung frei.  

Konversionsprozess bezieht Bürgerinnen und Bürger mit ein

Im Zuge des von der Stadt angeleiteten Konversionsprozesses engagierten sich viele BürgerInnen und brachten Ideen, Vorschläge und Forderungen ein. In diesem intensiven Prozess konnte endlich auch die Vorstellungen eines selbstbestimmten und solidarischen Wohnens umgesetzt werden, wie sie im Umfeld von DFG-VK und Friedensbewegung schon lange vorgeschlagen und geplant wurden. Lange vor der Freigabe und dem Erwerb des Turley-Areals hatte sich eine Gruppe gebildet. Mit Bezug auf die frei gewordene Fläche nannte sich „13 Hektar Freiheit“.

Selbstbestimmtes und solidarisches Wohnen

Welche Fülle von Veranstaltungen unter anderem mit runden Tischen und Foren sowie anderen Formen organisiert wurden und wie diese von vielen Menschen genutzt wurden, ist in Publikationen wie etwa den Weißbüchern ausgewertet und beschrieben worden. Ein Foto im „Weißbuch IV – Bilanz der Konversion von 2011 – 2016 in Mannheim“ zeigt das Turley-Areal vor dessen Umgestaltung. Neben den ursprünglichen Kasernengebäuden erblickt man eine ausgedehnte versiegelte und asphaltierte Fläche, auf der früher die typischen Militär-Lkws geparkt waren.

Auf dieser Fläche wurden inzwischen Wohnhäuser gebaut, darunter auch die von den beiden Wohnprojekten „SWK Mannheim“ und „umBAU² Turley²“. Im Gegensatz zu diesen hat 13 Hektar Freiheit einen der Kasernenflügel erworben und nach den Bewohnervorstellungen umgebaut. Alle drei Projekte zeichnet aus, dass sie dem Verbund des Mietshäuser-Syndikats angehören. Dessen Grundgedanke ist es selbstbestimmt und solidarisch zu wohnen und zu leben und Wohnraum dem gewinnmaximierenden Bauen und Verwerten zu entziehen. In Zeiten hoher und steigender Mieten, die immer höhere Anteile eines Mieter-Einkommens schlucken, ist das ein sehr sinnvoller Ansatz.

Entdecken was uns verbindet

13 Hektar Freiheit beteiligt am so genannten Tag des offenen Denkmals teil, denn die Kaserne ist denkmalgeschützt. Dieser Tag findet immer am zweiten Sonntag im September statt und öffnet viele sonst nicht zugängliche Gebäude. Deshalb konnten sich interessierte ansehen, wie es sich in einer ehemaligen Kaserne lebt und sich über das Mietshäuser-Syndikat informieren. Das Motto des offenen Denkmals lautete dieses Mal „Entdecken was uns verbindet“. Es ist natürlich nicht das Militärische, mit dem sich 13 Hektar Freiheit verbunden fühlt, sondern mit jenen Menschen, die vor den Kasernen für Frieden und gegen Krieg demonstrierten und sich für deren Konversion einsetzten. Der Mannheimer Morgen berichtete. 

Wofür sich die Friedensbewegung in Mannheim einsetzte

Es hat uns gefreut, dass 13 Hektar uns mitteilte, dass sie eine kleine Ausstellung über die Friedensbewegung machen wollten und fragten, ob wir sie mit geeigneten Unterlagen unterstützen könnten. Unter dem Motto „MA-o-Mil – Mannheim ohne Militär“ haben wir berichtet,  wie belastend und nachteilig das Militär (ob deutsches oder US-amerikanisches) für eine Stadt ist. Das viele, was im Zuge der Konversion geändert und verbessert wurde, lässt leicht vergessen, dass sich maßgebliche Leute in der (Kommunal-)Politik eine Leben ohne „die Amerikaner“ damals überhaupt nicht vorstellen konnten und wollten. Sie steckten den Kopf in den Sand oder baten die US-Vertreter inständig ums Bleiben.

Coleman-Freigabe bei der Kommunalwahl thematisieren

Im Frühjahr 2015 brüskierte die US-Armee die Vertreter der Stadt mit der Mitteilung, dass sie die Coleman-Kaserne entgegen ihren ursprünglichen Zusagen nun doch nicht freigeben werde. Damit war nicht nur alle im Bürgerbeteiligungsprozesses erarbeiteten Vorhaben zunichte gemacht, sondern unsere Stadt erneut zu einem wichtigen Ort von militärtaktischen und –strategischen Entscheidungen gemacht. Die US-Armee nutzt die Kaserne seither dafür, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge für die Nato-Ost-Expansion zu lagern und fit zu machen. Sie werden in einem rollierenden Verfahren in die neuen östlichen Nato-Mitgliedsstaaten befördert, für Militärübungen und –manöver genutzt, dann in die Coleman-Kaserne zurückgefahren, um sie dort in Schuss zu halten.

Nächstes Jahr findet in Mannheim die Kommunalwahl statt. Man wird gespannt darauf sein dürfen, was die Parteien zur Coleman-Freigabe sagen. Es wäre gut, wenn die Kandidierenden immer wieder mit der Frage konfrontiert werden, wie sie sich für eine Freigabe der riesigen Militärfläche (das Fünffache des Luisenparks) einsetzen.

Es geht dabei nicht nur darum, die Beziehungen zu Russland durch Gespräche, Deeskalation und Rüstungsreduzierung und Abrüstung zu verbessern und wirkliche Sicherheit für die Menschen zu erzielen. Die Freigabe ist die Voraussetzung, diese für die Lebensqualität wichtigen Zielen anzupacken: Die Frischluftzufuhr für das Stadtgebiet verbessern, die Versiegelung aufbrechen, wertvolle Biotope erhalten und bezahlbare und umweltschonende Wohnungen zu bauen.

Wohnprojekte durch Direktkredite unterstützen

Die Wohnprojekte versuchen möglichst wenig Geld bei den Banken und Sparkassen zu leihen und werben für Direktkredite von Privatpersonen. Wer sein Erspartes nicht einem Kreditinstitut zur Verfügung stellen will, hat daher in den Wohnprojekten eine gute Möglichkeit, sein Geld sinnvoll einzusetzen.

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