Afghanistan-Krieg

„Nichts ist gut in Afghanistan“ – Verheerende Bilanz eines verlorenen Kriegs

Im Jahr 2009/10 sagte die damalige Bischöfin Margot Käßmann in einer Predigt den folgenden Satz und wurde daraufhin von den Befürwortern einer militärischen Sicherheitspolitik heftige kritisiert.

„Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden.“

Die USA, die Nato und auch die Bundesregierung haben den Abzug Truppen beschlossen und so­dass nun auch die Bundeswehr (die „Parlamentsarmee“) diesen eingeleitet hat. Käßmanns Ein­schätzung erweist sich als weitsichtig und zutreffend. Die Bundesregierung hütet sich, von einem verlorenen Krieg zu sprechen, denn das würde bedeutend zuzugeben, dass der rund 20 Jahre dau­ernde Einsatz von Waffen und Militär und damit militärische Sicherheitspolitik gescheitert ist. Dass die Taliban keineswegs besiegt wird kaum bezweifelt, umstritten ist allenfalls die Frage, wie schnell es ihnen gelingen kann, die afghanische Armee zu besiegen und die Regierung Ghani zu beseitigen. Der Alltag der Menschen in Afghanistan durch Anschläge und Kämpfe genauso bedroht wie durch Armut und Hunger. Erschreckend viele Zivilist*innen werden bei Einsätzen der afghanischen Ar­mee getötet. Diese wurde auch von der Bundeswehr ausgebildet.
Die Taliban haben anders als der IS im Westen keine Anschläge verübt und es ist nicht gelungen die Macht des IS zu brechen. Afghanistan ist weiterhin weltweit führender Opiumproduzent.
Die im Folgenden genannten ausgewählten Artikel bestätigen, dass die Friedensbewegung Bundes­wehreinsätze als untauglich kritisiert hat und deren Ende fordert (nicht nur in Afghanistan). . Zahlen und Fakten zeigen, dass es richtig war,
Entsprechende Zahlen über die Zahl der in diesem blutigen Krieg Getöteten und die dafür ver­schleuderten Steuergelder können in den folgenden Berichten nachgelesen werden.

Afghanistan: Zeit der Bilanzen, von Jürgen Wagner, in IMI-Standpunkt 2021/019 (aktualisiert 22.4.2021)
Wagner zitiert eine Studie, die die katastrophale Situation der Menschen im Allgemeinen beschreibt und nennt auch Zahlen über Kriegsopfern und Kriegskosten.

Friederike Stahlmanns Studie von 2019 beschreibt die schlimme Lage für die af­ghanische Bevölkerung so: „Schon im Jahr 2016 war das Armutsniveau mit 54,5 Prozent wieder so hoch wie zum Zeitpunkt des Sturzes der ersten Taliban-Herrschaft im Jahr 2001 und 86 Prozent der Stadtbevölkerung lebten in Slums. Die Zahl derer, die akut von humanitärer Hilfe abhängig sind, hat sich im letzten Jahr nahezu verdoppelt. Im Jahr 2018 hatten im Vergleich zum Vorjahr 6 Millio­nen Menschen mehr keinen ausreichenden Zugang zu Nahrung. Mehr Hungernde gibt es nur in Je­men, die Arbeitslosenrate ist die höchste weltweit und 80 Prozent der Arbeit ist nicht existenzsi­chernd.“

Kriegsopfer
Von 2001 bis 2021 starben über 3500 westliche SoldatInnen (darunter 2445 USA und 1139 Verbün­dete).
Bei Kriegshandlungen starben etwa 240.000 Menschen (Afghanistan und Pakistan). Darin sind Menschen nicht mitgezählt, die aufgrund von Kriegsfolgen (Unterernährung, beschädigtes Gesund­heitssystem) starben.

Die Kriegskosten betrugen von 2001 bis 2021 alleine für die USA insgesamt 2,261 Billionen (2261 Milliarden Dollar) darunter
• Offizielles Militärbudget: 933 Mrd. Dollar
• kriegsbedingte Mehrausgaben im Pentagon-Budget: 443 Mrd. Dollar
• weitere militärisch relevante Ausgaben des Außenministeriums: 59 Mrd. Dollar
• Versorgungskosten für Veteranen, Verletzte: 296 Mrd.
• kriegsbedingte Zinszahlungen: 530 Mrd. Dollar.

In Deutschland hat der Bundeswehr-Einsatz die Steuerzahler laut ARD-Hauptstadtstudio bislang rund 12,5 Milliarden Euro gekostet, wogegen sie das ZDF auf 45 Milliarden Euro schätzt.

Bereits im Jahr 2010 schätzte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Kosten des Bundeswehreinsatzes bis Ende 2011 auf 18-33 Milliarden Euro gegenüber den offiziellen Kriegs­kosten von 4,1 Mrd. Euro. Das DIW berücksichtige realitätsnäher auch die weiteren Kriegs(folge)kosten

Keine Abschiebung nach Afghanistan - Ein Blick auf die aktuelle Lage im Einsatzgebiet der Bundeswehr von Jacqueline Andres, in der IMI-Publikation Ausdruck-2021-1#

Andres beschreibt, dass Bund und Länder trotz Protesten keine Skrupel hatten seit 2016 insgesamt 36 Sammelabschiebungen mit 989 Männer durchzuführen. Sie beschreibt die gefährliche Sicher­heitslage. Während diese bei den Abschiebungen keine Rolle spielten, wurden sie im Zusammen­hang mit dem Truppenabzug durchaus als ein Problem angesehen.

Abzug aus Afghanistan: Die NATO beendet ihren 20-jährigen Krieg am Hindukusch und lässt ihr Einsatzgebiet in katastrophalem Zustand zurück
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8588/
Der Artikel erinnert u. a. an die im Petersberger Abkommen vom 5. Dezember 2001 vereinbarte Ziele in Afghanistans eine Demokratie nach westlichem Vorbild zu erreichen und zitiert die vom damalige Außenminister „Joschka“ Fischer geäußerte Hoffnung "diesen Krieg beziehungsweise Bürgerkrieg dauerhaft zu beenden" und "zum inneren Frieden und zur Stabilisierung der gesamten Religion" beizutragen. Doch die aktuelle Lage zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist.

„In Afghanistan hungern so viele Menschen wie noch nie zuvor“
Reinhard Erös, stand als Arzt bei der Bundeswehr und auch im Afghanistaneinsatz.Er gründete mit seinem Verein „Kinderhilfe für Afghanistan“ zahlreiche Mädchenschulen und weitere Bildungsein­richtungen mitten im Herrschaftsgebiet der Taliban. Weil er die Schulen nur nach Kontakt und Ein­willigung mit den Taliban errichtete, konnten diese ungestört betrieben werden. Er verließ die Bun­deswehr, nachdem ihm klar geworden war, dass die Taliban ihn deshalb als Besatzer wahrnehmen würden. Erös weist darauf hin, dass
Obwohl der Westen in Afghanistan 1300 Milliarden Dollar investiert habe, hungerten dort so viele Menschen wie noch nie zuvor und Gesundheitswesen und Bildungsbereich seien zusammengebro­chen. Laut Tansparency International sei Afghanistan das korrupteste Land der Welt und die Gelder in die Taschen von Millionäre und Multimillionäre geflossen, die es in Golfstaaten investiert hätten.

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