Das „Bildungszentrum der Bundeswehr – Bundesakademie“

Scheinbar harmlos, doch wichtig für den Militärapparat

Die früher in Mannheim existierenden Bundeswehrkasernen sind längst aufgelöst und werden wie etwa am Ulmenweg zivil genutzt, etwa für studentisches Wohnen. Daher kann man den falschen Eindruck bekommen, die Bundeswehr sei in Mannheim kein Thema mehr. Doch mit dem „Bildungszentrum der Bundeswehr – Bundesakademie“ (abgekürzt BiZBw) hat die Bundeswehr seit 2013 in Mannheim eine Einrichtung, die als obere Bundesbehörde den Bildungs- und Qualifizierungsprozess der Bundeswehr unterhalb des Verteidigungsministeri-ums steuert und koordiniert. Konkret bedeutet das laut BiZBw-Internetseite: „Das BiZBw deckt die gesamte Bandbreite zivilberuflicher Bildung und Qualifizierung für das zivile und militärische Personal in der Bundeswehr ab“.

Wie der Präsident des BiZBw, Christoph Reifferscheid,  ausführt, verfügt es über insgesamt 600 MitarbeiterInnen, davon 300 in Mannheim und die übrigen in den Außenstellen Berlin, Oberammergau und Nieburg. 2016 führte das BiZBw insgesamt 895 Lehrgänge mit 12.800 TeilnehmerInnen durch. Dem BiZBw sind außerdem die zehn Bundeswehrfachschulen (au-ßerhalb von Mannheim) und sieben BW-Auslandsschulen unterstellt.

Das ist sicherlich ziemlich unspektakulär und undramatisch. Und in der Tat, fallen in einem so riesigen Apparat wie der Bundeswehr viele Aufgaben und Tätigkeiten an, die genauso in zivilen Verwaltungen und Unternehmen zu erledigen sind.

Das BiZBw und seine Vernetzungsarbeit

Das BiZBw bezeichnet sich als „sehr gut vernetzt“ und führt zahlreiche Kooperationen durch wie beispielsweise die wehrtechnischen Symposien und den „Sicherheitspolitischen Dialog in der Metropolregion Rhein-Neckar“.

Die Symposien haben laut BiZBw eine hervorgehobene Bedeutung, denn hier  tauschen sich TeilnehmerInnen aus Forschung, Industrie, Wirtschaft und Öffentlichem Dienst aus und knüpfen und pflegen Kontakte. Einige Symposien finden bereits seit vielen Jahren in MA-Neuostheim statt, als das BiZBw vor der Umstrukturierung noch als Bundesakademie für Wehrtechnik und Wehrverwaltung bezeichnet wurde. Das Wehrtechnische Symposium „Aus-rüstung und Technologie See“ wurde 2017 bereits zum 23sten Mal durchgeführt und befasste sich mit der „Sicherstellung der materiellen Ausstattung der Marine unter sich verändernden Rahmenbedingungen“.

Das 31. Symposium „Ballistik in Forschung und Technologie“ brachte 2016 ExpertInnen zu-sammen, die sich u. a. mit einem optronischen Sensor zur Endphasenlenkung von Munition beschäftigten.  Beim Symposium „Elektronischer Kampf der Luftwaffe“ präsentierten die Rüstungsindustrie und Fraunhofer-Institute ihre Entwicklungen. Für „interessierte Angehörige der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie“ gab es 2017 das Symposium zur Technologie militärischer Kraftfahrzeuge.“
Wichtiger Vernetzungspartner des BiZBw ist die Lobbyorganisation „Initiativkreis Zukunft der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik“.

„Das Symposium zur bodengebundenen und vernetzten Luftverteidigung hatte im November 2017 zum Ziel einen ganzheitlichen Bogen von Nah- und Nächstenbereichsschutz bis hin zur erweiterten Luftverteidigung zu spannen. Mit 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stieß das Symposium auf großes Interesse bei Vertretern der Streitkräfte, des Rüstungsbereichs der Bundeswehr und der Industrie sowie der Forschungsinstitute.“ Konkret ging es u.a. um die Waffensysteme Patriot und Neuentwicklung Taktisches Luftverteidigungssystem, TLVS.

Fotos in einer BiZBw-Broschüre zeigen, welche Rüstungsfirmen bei den Symposien vertre-ten sind: MBDA, IABG, tms technisch-mathematische Studiengesellschaft. Man kann davon ausgehen, dass dabei auch die bekannteren Rüstungsfirmen vertreten sind.

Die Sicht der Bundeswehr salonfähig machen

Bereits zum zweiten Mal fand 2017 im BiZBw der sogenannte Sicherheitspolitische Dialog in der Metropolregion Rhein-Neckar statt. Bei dieser von Reifferscheid initiierten Veranstaltung geht es darum, die von der Bundeswehr angenommenen Gefahren wie Kampf gegen den Islamischen Staat, Russlands Agieren in der Ostukraine und die Flüchtlingsströmen nach Europa in die Köpfe zu bekommen. Ziel dieser Veranstaltung sei es, laut Oberstleutnant Thilo Koch, dass „die eigene Bevölkerung für die Veränderungen sensibilisiert und für die einzu-leitenden Maßnahmen gewonnen werden.“ Ein Jugendoffizier stellt sich beim Auftreten im Klassenzimmer nicht selbst in Frage, wenn er die sogenannte Sicherheits- und Verteidi-gungspolitik mit Armee und Waffen als notwendig darstellt. Beim sicherheitspolitischen Dialog ist das nicht anders.
Beim ersten Dialog ging es um die Sicherheit und den Schutz des Seewege und des See-handels. 2017 beschäftigten sich wieder mehr als 100 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Bundeswehr – darunter auch Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht – mit der Cybersicherheit für die die Bundeswehr bekanntlich eine eigene Truppengattung bekommen hat.

Das BiZBw trägt zur Militarisierung der Gesellschaft bei, darüber kann sie nicht hinwegtäu-schen, auch wenn sie versucht, sich als offen für die Gleichberechtigung von Frauen darzu-stellen. So verkündet sie freudig, dass der erste Girls´ Day 2107 am BiZBw mit 31 Schüle-rinnen aus der Metropolregion schnell ausgebucht gewesen sei.

Den für die Gleichberechtigung streitenden Frauen ging es aber (in der großen Mehrheit) darum, Waffen und Militärapparate abzuschaffen und nicht darum, in ihnen Karriere zu ma-chen.

Wachsender Einfluss auf das Bildungswesen

Es ist einigermaßen bekannt, dass die Bundeswehr u. a. durch ihre Jugendoffiziere immer mehr in den Klassenzimmern für die herrschende Sicherheitspolitik mit Armee und Rüstungs wirbt. Doch seit 2009 hat sie ihre Kooperationen nicht nur über das Kultusministerium ausgebaut, sondern hat inzwschen auch Studiengänge in der Dualen Hochschule sowie in der Hochschule erobert. Seit 2016 hat die Bundeswehr inzwischen sieben Kooperationen mit insgesamt 13 Studiengängen. In Mannheim können Interessierte den Studiengang Maschinenbau oder Mechatronik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg belegen, oder an der Hochschule Mannheim mit der Bundeswehr einen der Studiengänge  Energietechnik und erneuerbare Energien, Informatik, oder Nachrichtentechnik/Elektronik und Technische Informatik auswählen.

Wenn die Bundeswehr Mannheim als einen von 16 Standorten ihres (Propaganda-)Tags der Bundeswehr ausgewählt hat, so erfolgt das sicherlich auch deshalb, weil sie die Bedeutung des BiZBw hervorheben wollte.

Stand Juni 2018

Facebook E-Mail E-Mail