Online-Version des Artikels aus ZivilCourage Nr. 2-2017

"Make Games - Not War!"

Kampagne gegen die Kooperation des Videospielherstellers "Crytek" mit der Rüstungsindustrie

Von Michael Schulze von Glaßer

In Frankfurt am Main sitzt das Unternehmen Crytek: Bekannt ist es durch seine vor allem bei jungen Leuten populären Videospiele. Das Unternehmen verkauft seine Software aber auch an Rüstungsfirmen. Gegen diese Verbindung der Videospielbranche und der Rüstungsindustrie hat der DFG-VK-Bundesverband eine gezielte Kampagne gestartet.  

New York im Jahr 2047. Nach einer Invasion von Außerirdischen liegt die Stadt in Schutt und Asche. Zudem treibt eine Elite-Privatarmee ihr Unwesen. Nur eine Person ist in der Lage die Stadt – die ganze Menschheit – zu retten: Der Spielende vor dem Computer oder der Videospiel- Konsole.

Dieses Szenario stammt aus dem 2013 veröffentlichten First-Person-Shooter „Crysis 3“ des deutschen Herstellers Crytek. Über zwei Millionen Mal hat sich das für Erwachsene freigegebene Spiel verkauft und ist damit eines der wenigen international erfolgreichen Blockbuster- Videospiele aus Deutschland – und das 1999 im bayerischen Coburg gegründete Crytek eines der wenigen weltweit bekannten Videospiel-Unternehmen aus Deutschland. Trotz einer aktuellen Krise beschäftigt das Unternehmen mehrere hundert Mitarbeiter rund um den Globus. Mit First-Person-Shootern wie „Far Cry“ und „Crysis“ erlangte Crytek weltweite Bekanntheit.

Dieses Szenario stammt aus dem 2013 veröffentlichten First-Person-Shooter „Crysis 3“ des deutschen Herstellers Crytek. Über zwei Millionen Mal hat sich das für Erwachsene freigegebene Spiel verkauft und ist damit eines der wenigen international erfolgreichen Blockbuster- Videospiele aus Deutschland – und das 1999 im bayerischen Coburg gegründete Crytek eines der wenigen weltweit bekannten Videospiel-Unternehmen aus Deutschland. Trotz einer aktuellen Krise beschäftigt das Unternehmen mehrere hundert Mitarbeiter rund um den Globus. Mit First-Person-Shootern wie „Far Cry“ und „Crysis“ erlangte Crytek weltweite Bekanntheit.

Die Fachpresse lobte vor allem die Grafik von Crytek-Spielen wie „Crysis 3“: Die Software-Engine hinter dem Spiel ist technisch eine der modernsten, die es aktuell gibt. Eine Engine ist ein Baukasten, aus dem virtuelle Welten erschaffen werden können. Sie besteht beispielsweise aus Grafik- und Sound-Vorlagen sowie einer Physik. So wurde „Crysis 3“ mit der so genannten „CryEngine“ entwickelt. Jedoch nutzt Crytek seine populäre Software nicht nur zur Entwicklung eigener Spiele und stellt sie nicht nur auch anderen Videospiel-Herstellern zur Verfügung: Das Unternehmen aus Frankfurt verkauft die „CryEngine“ auch an Rüstungsfirmen, die damit Trainingssimulatoren für das Militär herstellt.

Und so üben Soldaten am Computer- Bildschirm durch Sichteinrichtungen in ihren Fahrzeugen oder mithilfe von Virtual-Reality-Brillen mit der ursprünglich für Videospiele entwickelten „CryEngine“ für reale Militäreinsätze. Sinn ist es – wie bei allen Militärsimulatoren –, das Verhalten in verschiedenen Einsatz-Situationen wie Gefechten, Patrouillen oder an Checkpoints zu üben. Das virtuelle Training erlaubt es dabei, noch fiktive Szenarien – beispielsweise beabsichtigte Einsätze im Ausland – zu üben und die eigenen Truppen damit gut vorzubereiten. Zudem spart das Militär Geld: Eine virtuelle Granate kostet im Gegensatz zu einer realen nichts – auch wenn scharfes Schießen durch virtuelle Trainingssimulatoren nie ganz ersetzt werden kann.

Training für den Krieg

Ein Nutzer der „CryEngine“ ist beispielsweise der deutsche Kriegsschiffbauer „ThyssenKrupp Marine Systems“. Das Unternehmen entwickelt aktuell das so genannte „Virtual Ship Training and Information System“ („ViSTIS“), ein Simulator zum Training von Schiffsbesatzungen: „In der virtuellen Simulationsumgebung lassen sich sowohl Routineaufgaben als auch Not- und Gefechtssituationen realistisch ausbilden, ohne Mensch oder Material zu gefährden“, heißt es in einer Konzernbroschüre: „Der hohe Realitätsgrad basiert auf einer realistischen Echtzeitvisualisierung mit Hilfe der CryEngine 3, einer der weltweit führenden ‚Game Engines‘ des Computerspiele-Herstellers Crytek“, lautet es in der Broschüre weiter. Johannes Schlenger, Systemingenieur für den „ViSTIS“-Simulator erklärte 2014 auf der Militärsimulatoren-Messe ITEC in Köln die genaue Zusammenarbeit mit Crytek: Man habe die Engine als „Full-Source Software Development Kit“ erworben, was einen tiefen Blick in den Quellcode ermögliche um Fehler zu korrigieren und eigene Funktionen hinzuzufügen. Dabei gebe es von Crytek auch direkte Unterstützung: „Wir waren […] auch vor Ort und haben Trainings gemacht und haben uns einige Sachen zeigen lassen. Es gibt auch Online-Support […]“, so Schlenger.

Mithilfe der Software habe man etwa Schiffe und Hubschrauber in die Szenarien eingefügt und eingebunden. Hauptsächlich soll „ViSTIS“ zum Training der Einweiser von Bord-Hubschraubern auf dem Flugdeck von Schiffen genutzt werden. Dazu wurde auch eine Bewegungssteuerung an das System gebunden: Beim Training haben die Einweiser einen Anzug an, der ihre Bewegungen in die virtuelle Umgebung umsetzt. Gesehen wird mithilfe einer Virtual-Reality- Brille. Wann das System fertig ist und wer es einsetzt, ist nicht öffentlich bekannt – in bisherigen Präsentationen waren aber zumindest Schiffe und Hubschrauber der Bundeswehr zu sehen. Weitere „CryEngine“-Nutzer sind beispielsweise Lockheed Martin, Meggitt, die Polizei von Dubai und die US-Army.

„Optimale Einsatzvorbereitung“

Die deutsche Armee nutzt die „CryEngine“ bereits in anderen Simulatoren: Der französische Rüstungskonzern Thales hat mithilfe der „CryEngine 3“ einen neuen Schießsimulator für die deutsche Armee entwickelt.

Das unter der Bezeichnung „Sagittarius- Evolution“ laufende Rüstungsprojekt versetzt die Bundeswehr u.a. in die Lage, mit einfachen Geo-Daten Trainingsszenarien mit unmittelbarem Einsatzbezug erstellen zu können: „Durch [die] Kooperation der Firma Thales mit der Firma Crytek wurde vor kurzem eine Softwarebasis geschaffen, die als Quantensprung betitelt werden kann“, schrieb ein Bundeswehr-Oberstabsfeldwebel als Experte für Schießsimulatoren 2011 begeistert in dem Wehrtechnik-Fachmagazin „Strategie & Technik“.

Das „Kommando Spezialkräfte“ der Marine nutzt den Simulator seit Kurzem für virtuelle Übungen mit dem Raketenwerfer „Wirkmittel 90“. Stefan Wey, Leiter des Bereichs „Training & Simulation“ der in Eckernförde stationierten Truppe, erklärt dazu im „Bundeswehr eine neue Generation von skalierbaren, schultergestützten Waffensystemen in der Bundeswehr. An unserem ,Sagittarius Evolution‘ können in der Simulation die parametrisierbaren Wirkungsweisen der einzelnen Munitionssorten ideal und realitätsnah trainiert werden. So sind die Soldaten optimal für den Einsatz vorbereitet.“ Trainiert werden neben der Bedienung des Feuerleitvisiers vor allem auch der Einsatz unterschiedlicher Munitionsarten.

DFG-VK startet Kampagne

Gründe genug, sich dieses Themas in einer gezielten Kampagne anzunehmen – noch dazu spricht man mit diesem „Videospiel“-Thema auch sehr junge Menschen an, was für die DFG-VK nur gut ist. Wir fordern von Crytek ein Ende der Kooperation mit der Rüstungsindustrie: Der Spielhersteller soll seine Software nur noch für Spiele nutzen und sie ausschließlich an zivile Unternehmen verkaufen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben Thomas Mickan, der auch im Rahmen des 125-Jahr-Jubiläums für den Verband aktiv ist, Simon Kiebel aus der DFG-VK-Gruppe Kassel und ich als stellvertretender politischer Geschäftsführer mit Unterstützung des BundessprecherInnenkreises ein Kampagnen- Konzept erstellt, dass seit Ende Februar verfolgt wird.

In einer ersten Phase haben wir uns mit einem Brief an Crytek gewandt und Fragen zu den genauen Verbindungen mit der Rüstungsindustrie gestellt – wie zu erwarten war, bekamen wir darauf keine Reaktion. In einer zweiten Phase haben wir in einem Brief um einen Gesprächstermin gebeten – wieder keine Reaktion. Nun treten wir in der dritten Phase mit der Kampagne erstmals öffentlich auf: Es gibt eine Pressemitteilung zu dem Fall und auch ein Video (https://www.youtube.com/watch?v=ccdB6zx8wVc). So wollen wir den Druck auf Crytek erhöhen und das heikle Thema der Verbindungen zwischen der Videospielbranche und der Rüstungsindustrie auch allgemein öffentlich bekannt machen. Die weiteren Schritte wollen wir hier noch nicht verraten – es ist aber noch einiges geplant!

Michael Schulze von Glaßer ist stellvertretender politischer Geschäftsführer der DFG-VK.

Aktuelles zur Crytek-Kampagne

Hier BU

Wie im ZivilCourage-Artikel (links) angekündigt, ist zur Kampagne „Make Games – Not War: Nein zur Kooperation von ‚Crytek‘ mit der Rüstungsindustrie“! einiges gelaufen. Einen umfassenden Überblick mit Berichten, Videos, Fotos, Presseerklärungen und Material gibt es auf unserer besonderen Internetseite: crytek.dfg-vk.de

Auf unserer Crytek-Seite gibt es auch diverse Videos wie z. B. dieses hier.

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